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Alt 05.08.2016, 17:17   #1
dipol-audio
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Standard Empfehlenswerter Vortrag über Lautsprecher und Hörräume

Dieser Vortrag ist sehr empfehlenswert als Einstieg in die Thematik

wie es mit bestimmten Lautsprechern in einem gegebenen Raum klingen kann

und welche Eigenschaften gute Lautsprecher grundsätzlich für ein ebenfalls gutes klangliches Ergebnis im Raum mitbringen bzw. mitbringen sollten (*).

Dabei geht es u.a. auch darum, inwieweit bestimmte Abweichungen der meisten LS von diesen Eigenschaften überhaupt sinnvoll durch Eingriffe mittels Equalizern zu beheben sind.


Dr. Floyd Toole: "Sound reproduction – art and science/opinions and facts" (**)

CIRMMT Distinguished Lectures in the Science and Technology of Music
Floyd Toole, consultant to Harman International, USA
16 April 2015 - Tanna Schulich Hall


https://www.youtube.com/watch?v=zrpUDuUtxPM



Viel Vergnügen ....



Einige Zeitmarken im Vortrag (ca.)

00:04:30 Methoden für Hörtests und Messungen ("subjektive Messungen" vs. "technische Messungen")

00:06:20 "Von Meinungen zu Fakten": Blindtest, Doppelblindtest (randomisiert)

00:13:45 Konsistenz der Bewertung einer gegebenen Gruppe von Lautsprechern (LS) bei unterschiedlicher Aufstellung

00:16:50 Konsistenz der Bewertung einer gegebenen Gruppe von Lautsprechern (LS) in verschiedenen Räumen

00:22:00 Messmethoden: Was wird gemessen ?

00:24:30 Erläuterung verschiedener Kurven, die aus Messungen des LS unter Winkeln gewonnen werden und in engem Zusammenhang mit einem erwartbaren Hörerurteil stehen (im gezeigten Bild von oben nach unten):

  • auf Achse Frequenzgang > "On Axis"
  • außer Achse Frequenzgang für kleine Winkel (Mittelwert für das "Haupt-Hörfenster") > "Listening Window"
  • Frequenzgang unter speziellen Winkeln, bestimmend für "frühe Reflexionen" im Raum > "Early Reflexions"
  • Energiefrequenzgang für in den Raum abgestrahlte Gesamtenergie > "Sound Power"
  • Bündelungsmaß berechnet für alle Reflexionen d.h. aus Gesamtenergie > "Sound Power DI" (Directivity Index)
  • Bündelungsmaß berechnet für frühe Reflexionen > "Early Reflection DI" (Directivity Index)


00:27:50 Energiefrequenzgang vs. Direktschall, Relevanz für den Höreindruck in verschiedenen Frequenzbereichen

00:31:40 Unterschiedliche Schalldruckverläufe (Inroom Response) - vor allem im Tiefton - am Hörplatz aufgrund verschiedener LS Positionen im Raum

00:53:50 Verlässlichkeit/Reproduzierbarkeit von Hörerurteilen aus verschiedenen Personengruppen

00:56:30 Wichtigkeit von Blindtests

00:57:10 Basiskriterien für gute Lautsprecher auf techn. Ebene basierend auf Rankierungen durch Hörerurteile

00:58:40 Bassqualität: "Wenn man den Bass nicht richtig hinbekommt, leidet alles andere (klanglich) darunter."

01:00:30 Beispiele für Kurven (s.o.) von Lautsprechern verschiedener Bauformen und Preisklassen

01:05:30 Daraus ein LS mit inkonsistentem Rundstrahlverhalten, dies ist mit einem Equalizer nicht kompensierbar

__________________________

(*) Demgegenüber wird bezüglich der Lautsprecher-/Raum Interaktion (und des klanglich durch den Hörer erfahrbaren Ergebnisses) auch in einigen deutschsprachigen Foren von vielen immer noch geglaubt und verbreitet, dies klanglich im Raum erfahrbare Ergebnis sei etwa "nur vom LS-Direktschall bestimmt" oder auch wahlweise "mittels gefalteter Impulsantworten" (von LS und Raum ...) gegeben.

Letzteres wird oft behauptet, obwohl der Mensch bekanntermaßen mit zwei Ohren "an zwei Orten zugleich" im Raum hört und dadurch während der Musikwiedergabe über Lautsprecher den Direktschall (der Lautsprecher) und den Raumanteil (aus den Raumreflexionen)

- ganz anders als etwa nur ein einzelnes Messmikrofon z.B. mit Kugelcharakteristik -

z.T. deutlich differenziert voneinander auswerten kann (auch wenn dies zumeist unbewusst geschieht) und ggf. dabei auch die Einfallsrichtung einzelner Reflexionen aus dem Hörraum berücksichtigen kann.

Schallfelder (aus Direktschall und überlagerten Reflexionen im Raum) und ebenso deren gehörmäßige Wahrnehmung finden stets in allen drei Raumdimensionen statt.

Eine angenommene "Faltung" von lediglich zwei Impulsantworten (für den "Lautsprecher" und für den "Raum"), die jeweils nur eine (Raum-) Dimension kennen (neben der Zeit also nur eine Amplitude), wäre hier bei weitem kein angemessenes Modell für
  • die räumliche Abstrahlcharakterisitik eines Lautsprechers
  • das in allen drei Raumdimensionen (neben der Zeit) veränderliche Schallfeld
  • die infolge des o.g. Schallfeldes auftretenden räumlich ebenso verteilten Sinnesreize an beiden Ohren eines Menschen im Hörraum oder gar für
  • das räumliche Hörvermögen bzw.
  • mögliche Höreindrücke eines Menschen,

der sich im Hörraum befindet. Es gibt also gute Gründe, eine solche Herangehensweise als "naiv" zu bezeichnen, sofern es nicht auschließlich um sehr tiefe Frequenzen geht, bei denen u.a. der Ohrabstand klein gegen die Wellenlänge ist. Das ist jedoch bereits im mittleren/oberen Bassbereich nicht mehr gegeben und schon gar nicht ab dem (unteren) Mittelton.

Es ist das Verdienst von Dr. Floyd Toole, die Komplexität der Aufgabe bereits während seiner Zeit am kanadischen National Research Council (NRC) nicht nur klar erkannt zu haben, sondern zugleich eine bis dahin bestehende erhebliche methodische Lücke in der Bewertung des akustischen Verhaltens unterschiedlicher Lautsprechertypen und ihrer daraus folgenden unterschiedlichen Interaktion mit einem gegebenen Hörraum auf wissenschaftlich nachvollziehbare Weise geschlossen zu haben.

Das "historische Nachhinken" von Diskussionen
u.a. in manchen deutschen Foren

(vgl. hierzu
u.a.

http://www.aktives-hoeren.de/viewtop...t=6894#p107888
...
http://www.aktives-hoeren.de/viewtopic.php?p=108235#p108235
... )

lässt aus heutiger Sicht oftmals auf einen ca. 30 Jahre zurückliegenden Kenntnisstand schließen, was die Behandlung dieses Themas betrifft.

Die wissenschaftlich abgesicherte Bewertung von Lautsprechern im Raum durch eine Kombination aus Messungen und verblindetem Hörtest unter kontrollierten Bedingungen sowie auch der Beginn eines neuen (dadurch erst aufgekommenen ...) technischen Entwicklungsansatzes im Lautsprecherbau gehen in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück.


Vgl.
"Loudspeaker Measurements and Their Relationship to Listener Preferences", (Part I, Part II), Floyd Toole, J. Audio Eng. Soc., Vol. 34, No. 4, 1986 April, Vol. 34, No. 5, 1986 May


(**) Leider ist mir aktuell keine Übersetzung des Vortrags oder des im Vortrag verwendeten Materials in's Deutsche bekannt.
__________________
Grüße aus Reinheim, Oliver Mertineit

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Alt 20.09.2016, 12:31   #2
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Standard AW: Empfehlenswerter Vortrag über Lautsprecher und Hörräume

Damit nicht immer nur aus der herausragenden und richtungsweisenden Arbeit von Dr. Floyd Toole zitiert wird, verlinke ich hier noch ein kurzes Interview mit David Smith, der in seiner Karriere Lautsprecher für JBL, McIntosh, KEF, Snell und PSB entwickelt hat:

http://www.tnt-audio.com/intervis/david_smith_e.html


David Smith ist auch Teilnehmer im Forum DiyAudio.com (Nickname 'Speaker Dave'), wo sich übrigens noch einige weitere renomierte professionelle Entwickler aufhalten. Ich hatte mit David Smith in den vergangenen Jahren dort schon manche anregende Diskussion.

An 'Speaker Dave' schätze ich sehr, daß er bei profunder Sachkenntnis in den vielen Belangen, die für das Design von Lautsprechern relevant sind, jemand geblieben ist, mit dem man sehr praxisorientiert und bodenständig über aktuelle und ebenso technikhistorische Lösungen im Lautsprecherbau diskutieren kann:

Neben seinen bekannten Veröffentlichungen u.a. im Bereich der Zeilenstrahler (Line Arrays) ist er auch ein Praktiker, der durch seine Industrieerfahrung beim Einsatz von Ressourcen für eine Lautsprecherkonstruktion immer den für den Hörer im Raum erfahrbaren Nutzen im Auge behält.
__________________
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