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Alt 14.07.2018, 15:53   #29
dipol-audio
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Standard AW: DIY Subwoofer für DBA

Hallo zusamen,
mir fallen an diesem Subwoofer (-Gehäuse) einige Details auf, die man zumindest für eine jeweilige konkrete Anwendung mal hinterfragen kann (Bezüge sind u.a. zum Eingangspost #1 und anderen vorangegangenen Posts):

  • http://www.scan-speak.dk/datasheet/pdf/32w-4878t00.pdf Schaut man sich den Seitenriss des Treibers mal an, dann fällt auf, dass durch die "aufgedoppelte" Schallwand des Gehäuses (2x25mm abzüglich Ausfräsung?) ein erheblicher Teil des freien Querschnitts zwischen Montageflansch und Zentrierspinne "nach hinten" versperrt wird. Allzu große Verengungen (z.B. auf deutlich weniger als etwa die halbe Membranfläche ...) sollte man hier m.E. vermeiden. Auch bei einer "aufgedoppelten" Schallwand kann man hier zumindest die "innere" Schallwandöffnung größer machen und so wenigstens ansatzweise für eine konische Aufweitung der Schallwand nach innen sorgen.
  • "Inhärente Steifigkeit" (ggf. auch ohne zus. Versteifungen wie Streben etc.) eines Gehäuses kommt zuerst durch die Wahl der Grundform (bei jeweils gegebener/gewählter Wandstärke): Am steifsten (für möglichst hohe Eigenfrequenzen der Gehäusewände bei einem "reinen" Subwoofer, d.h. möglichst deutlich oberhalb des genutzten Übertragungsbereiches ...) wird das Gehäuse, wenn man keine der Platten unnötig großflächig werden lässt und etwas näher an einer Würfelform bleibt. Selbst wenn hier die Lage des Chassis im Raum (d.h. im Hörraum) beibehalten werden soll (weil man den Raum etwa "genau in dieser Höhe über dem Boden" anregen will und man auch weiß warum ... ?), baut das Gehäuse hier unnötig hoch: D.h. man kann es tiefer und weniger hoch machen. Selbst ganz ohne Versteifungen sind hier Gehäuseresonanzen (der Wände) erst deutlich oberhalb ca. 160Hz (bei benötigtem akustischen Volumen s.u.) durchaus machbar (je nach Wandstärke) ... will man jedoch ein zweites Gehäuse direkt obendrauf stellen können (für ein Bass Array, damit das "Nachbarchassis obendrüber" hoch genug zu liegen kommt ) wäre der Wunsch nach Höhe natürlich verständlich ...
  • Eine bitumenartige Bedämpfung der Wände (als Aufschmelzmatte o. dergl) - zumal in relativ geringer Stärke im Vergleich zur Wandstärke des Holzwerkstoffs - ist "mehr oder weniger Kosmetik" (bei einem reinen Subwoofer): Die Wirkung ist gering (es sei denn, die dämpfende Schicht kommt näher an die Größenordnung der Dicke des Holzwerkstoffs heran) und sie wirkt auch erst in einem Frequenzbereich, in dem der Subwoofer typischerweise bereits deutlich im Sperrbereich der Weiche ist ... die Gehäuse der "Satelliten" sind hier für den oberen Bass bzw. den Mittelton sehr viel entscheidender im Aufbau. "Schaden" tut's natürlich auch beim Subwoofer nicht ...
  • Die Bedämpfungsstrategie (hier: Hohlraum bzw. "Längenresonanzen") des Innenvolumens: Die erste Mode, die hier für eine Bedämpfung in Frage käme, wäre die 0,0,1 Mode in Hochrichtung, weil das Gehäuse hier die größte Abmessung hat. Ausgerechnet hier ist jedoch im Schnellemaximum der Mode - und nur dort sind faserige / poröse Dämpfungsmaterialien (Sonofil, Schurwolle, etc.) wirklich wirksam - mittig im Gehäuse keine Füllung vorhanden ... Glück (?), daß diese Mode durch die mittige Montage (zw. "Boden und Decke" des Gehäuses) des Treibers nicht angeregt werden wird. Die mittige Montage an sich ist jedoch aus anderen Gründen nicht optimal ... aber das führt hier zu weit. Obwohl auch die Eigenmoden des Innenraums meist außerhalb des unmittelbaren Übertragungsbereiches liegen, halte ich eine Füllung von Subwoofern mit faserigen Stoffen (dann aber "zur Gänze") für sehr sinnvoll (siehe auch unten).
  • Wieviel "Gewinn" an "akustischem Volumen" bringen faserige Stoffe (bei vollständiger Füllung des rein geometrischen Innenvolumens) ? Der hier zuvor schon genannte Faktor 20% kann eine ganz gute Schätzung sein, je nach Art der Füllung ... Wenn jedoch nur die Hälfte des Gehäuses überhaupt gefüllt wird, reduziert sich das dann ggf. auf ca. 10%. Warum denn diesen Effekt nicht "voll ausschöpfen" ? Das Gehäuse wird dadurch insgesamt etwas kompakter (wenn es in der Dimensionierung zuvor geeignet berücksichtigt wird) und dadurch wiederum (s.o.) auch (von ganz allein) nochmals etwas steifer im Aufbau.
  • Bei den ganzen Maßnahmen zur "Entkopplung" (vom Boden): Diese Maßnahmen sind nur dann wie gewünscht wirksam, wenn die Eigenresonanz(en) des Feder/Masse Systems aus "Gehäuse" (als Ganzes) und "federnden bzw. dämpfenden Füßen" deutlich im Infraschall liegt. Sonst ist es nämlich keine echte "Entkopplung" ... Ist das hier überprüft oder zuvor berechnet worden ? Wenn man von oben auf das Gehäuse "haut" oder es von vorn "stumpt", sollte es in den relevanten Schwingungsebenen irgendwo im Infraschall (z.B. 6 ... 12Hz) "ausschwingen", sonst sind die "Federdämpfer" zu hart und z.B. ein gedachter Dielenboden kann dann im Musikbetrieb immer noch mitschwingen ...
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Grüße aus Reinheim, Oliver Mertineit

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Nihil sine causa




Geändert von dipol-audio (14.07.2018 um 17:17 Uhr).
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