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Alt 15.04.2013, 23:44   #2
Babak
gestört verar*** verlogen
 
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Als erstes poste ich ein Paper mit einer Einleitung zu Mechanismen, wie das Gehör aus den Umgebungsgeräuschen Informationen erstellt, also Schallquellen von Umgebungsgeräuschen unterscheidet.

Willam A Yost: Auditory Perception and Sound Source Determination
http://www.jstor.org/stable/20182173
(Bei JSTOR kann man sich kostenlos anmelden und diese Publikation ansehen)

Hier werden folgende Mechanismen angesprochen:

Critical band method
Das Gehör unterteilt den eintreffenden Schall in schmale Frequenzbänder, die dann weiter ausgwertet werden.
Das erklärt sich durch die frequenzabhängige Anordnung der Cilien auf der Basilarmembran im Innenohr.

Das erklärt, wie Informationen in einem Frequenzband wahrgenommen werden können, während Maskierer in anderen Frequenzbereichen gehört werden.

Doch trotzdem gibt es Situationen, in denen es Interaktionen zwischen Schallmustern in getrennten Frequenzbändern gibt.

Dazu werden 3 Mechanismen angeführt:

1. Profilanalyse (profile analysis)
Hier wird gezeigt, dass das Gehör bei gleichzeitigem Vorhandensein von einem Signal und Maskierern die Intensitätsprofile des Signals und der Maskierern auswertet.

Das wahrgenommene Signal hat ein ausgeprägteres Profil als die Maskierer in der Ungebung und wird somit detektiert.



2. Comodulation masking release

Das angeführte Experiment sieht wie folgt aus:

Ein tonales Signal soll in 3 Situationen erkannt werden:

a) in Gegenwart eines schmalbandigen Maskierers = "Target" (schmalbandiges Rauschen) dessen Mittenfrequenz der des Signals entspricht.


b) in Gegenwart des Targets und eines zweiten schmalbandigen Maskierers ("Cue"), das eine andere Mittenfrequenz und eine andere Hüllkurve als der "Target"-Maskierer (also Target ud Cue nicht komoduliert).

c) in Gegenwart des Targets und eines zweiten schmalbandigesn Maskierers ("Cue"), das eine andere Mittenfrequenz (die selbe wie unter b) aber die gleiche Hüllkurve wie der "Target"-Maskierer hat (also Target und Cue komoduliert).


Die Wahrnehmungsschwellen für das tonale Signal sind für a) und b) ähnlich.

Sie ist für c) um 12 dB niedriger als für a) und b).

Sprich: Wenn die Maskierer trotz unterschiedlichen Mittenfrequenzen die gleichen Hüllkurven haben, ist das Signal in ihrer Gegenwart deutlich besser wahrnehmbar.



Die Erklärung dafür ist, dass alle Frequenzbestandteile einer Schallquelle komoduliert sind.

Somit fasst das Gehör umgekehrt alle komodulierten Schallanteile zu einem auditiven Objekt zusammen, egal welche Frequenzbänder komoduliert sind.
Haben Schallanteile unterschiedliche Hüllkurven, werden sie als verschiedene Objekte wahrgenommen.


3. Modulation detection interference

Im gezeigten Experiment sollen die Probanden die Abnahme der Modulationstiefe eines amplitudenmodulierten Signal in verschiedenen Situationen erkennen:

a) nur das Signal

b) in Gegenwart eines unmodulierten Maskieres mit einer anderen Frequenz als das Signal

c) in Gegenwart eines Maskierers mit einer anderes Frequenz, der aber mit dem Signal komoduliert ist (also die gleiche Hüllkurve hat).


Die Wahrnehmungsschwelle für das Signal ist unter a) (nur Signal) und b) (Signal mit unmodulierten Maskierer) ähnlich niedrig.

Bei c) Steigt die Schwelle, an der das Signal erkannt wird, um ca. 20 dB.


Da der einzige Faktor, der verändert worden ist, die Komodulation ist, liegt die Erklärung nahe, dass das Gehör ier das Signal und den Maskierer zu einem Objekt zusammenfasst.
Durch die Komodulation hat das Gehör Probleme, das Signal vom Maskierer zu trennen.

Dieses Erklärungsmodell sagt voraus, dass die Erkennung des Signals einfacher sein müsste, wenn der Maskierer anders amplitudenmoduliert ist als das Signal.

Und das wurde im Exoeriment bestätigt: die Wahrnehmungsschwelle liegt nur wenig höher als bei a) und b).


Das zeigt, dass das Gehör zwar einzelne Frequenzbänder auswertet, aber das noch nciht alles ist.

Es wertet auch aus, ob und wie sich die Signale in den einzelnen Frequenzbändern gemeinsam verändern.

Verändern sie sich gemeinsam/gleichzeitig, werden diese komodulierten Schallmuster mit den gleichen Hüllkurven in den verschiedenen Frequenzbändern zu einem Objekt zusammengefasst.




Warum das in meinen Augen wichtig für HiFi ist, kommt später, wenn weitere Mechanismen dran waren ...




LG
Babak
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“The problem with today’s world is that everyone believes they have the right to express their opinion AND have others listen to it.

The correct statement of individual rights is that everyone has the right to an opinion, but crucially, that opinion can be roundly ignored and even made fun of, particularly if it is demonstrably nonsense!”


— Brian Cox, musician, physicist, and freethinker

Geändert von Babak (16.04.2013 um 01:27 Uhr).
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