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Alt 18.03.2013, 22:51   #29
P.Krips
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P.Krips befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
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Hallo,
ich glaube nicht, daß man wenn Leute mit einer suboptimalen Anlage zufrieden sind, das unbedingt am Hörvermögen festmachen kann.
Nehmen wir mal ein Beispiel: Ich sitze vor einem noch nie gehörten Lautsprecher in einer mir unbekannten akustischen Umgebung und ich bekomme eine CD vorgespielt, die ich noch nie zuvor gehört habe, dann auch noch mit Musik, die ich überlicherweise nicht höre.
Da wird es so gut wie jeder mächtig schwer haben Fehler der Wiedergabe, seien es lineare oder nichtlineare, zu erkennen. Da wird das Ohr zunächst die Situation mehr oder weniger als gegeben hinnehmen,
Da fehlt einfach der Anker, das Ohr wird in so einer Situation das dargebotene einfach hinnehmen, da es ja nicht wirklich Klirrfaktor in % feststellen kann und bei unbekannter Musik auch kaum lineare Fehler.
Das Erkennen von Lautsprecherfehlern ist auch ein Lernprozess, ist aber, so kenne ich das von mir persönlich, an einen "Anker" gebunden, in dem Falle die Handvoll spezieller CD's die ich sehr gut kenne und auch schon auf sehr guten bis hervorragenden Anlagen hören konnte.
In einigen Fällen kann ich aber dennoch auch ohne Anker Fehler erkennen, nämlich dann wenn es zwar unbekannte Musik, aber ähnliche Stilrichtungen sind wie die, die ich kenne (z.B. Klassikaufnahmen)
Mit diesen CD's kann ich mittlerweile auch in obiger Situation Wiedergabefehler erkennen und sogar ca. den Frequenzbereich bennenen, in dem der Lautsprecher z.B. übertreibt etc.
Allerdings muss dann noch zusätzlich in obiger Situation abgeklärt werden, ob die Raumakustik dafür verantwortlich ist oder der Lautsprecher.

Als "Anker" z.B. den Klang eines bekannten life erlebten (akustischen) Instruments zu nehmen führt leider völlig in die Irre, da die Aufnahmetechnik bei Stereo NIE die exakte Lifesituation speichern, geschweige denn wiedergeben kann.

Bei einer Familienfeier hatten wir vor einen Monaten auch einen Musikstudenten da, der Kontrabass studiert und er hat zwei (gestrichene) Solostücke präsentiert. Das klang aber schon deutlich anders als ich das von Konserven gewohnt war.
Ist ja nicht verwunderlich, da meine Ohren ja nicht da waren, wo in einer Aufnahmesituation sich das Mikrofon befände. So ein Instrument strahlt ja nicht nur Schall in die Richtung ab, in der sich das Mikrofon befindet, sondern in alle Richtungen, aber vom Spektrum dorthin aber nicht identisch etc.

Dummerweise lässt sich das Ohr auch in die falsche Richtung trainieren.
Typischer Fall ist, wenn Leute sagen, daß ihr neuer Lautsprecher noch nicht richtig klänge, er müsse erst eingespielt werden.
Da bin ich zu 100 % davon überzeugt, daß sich da lediglich die Ohren "einspielen", man sich also an den speziellen Klang gewöhnt und dann als "richtig" empfindet.

Auch scheint das Gehör in gewissen Grenzen dazu in der Lage zu sein, eine vertraute akustische Umgebung beim Hörprozess quasi "herauszufalten".

Nu ist erstmal genug...


Gruß
Peter Krips

P.S. aber noch nicht ganz fertig....
P.Krips ist offline