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Alt 17.03.2013, 13:21   #5
Babak
Ich schau nur
 
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Babak ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
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Hallo

Ab wann ist es gut, ab wann ist es schlecht?
Womit vergleicht man?

Es gibt Lebewesen, die schlechter hören, und welche, die besser hören.

Wie hören so wie wir eben hören.

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Das Gehör ist nicht dadür gestaltet, dass es das akustische Umfeld objektiv und vollständig abbildet.

Das Gehirn und sie Sinne sind so gestaltet, dass sie ein für das Individuum sinnvolles Abbild der Umgebung abbilden, damit es entsprechend reagieren kann.


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Da nicht alle Signale aus der Umgebung relevant sind, wird vieles herausgefiltert, bevor es in das Bewusstsein kommt.
Dazu gehören irrelevante Dinge oder Details, die widersprüchlich sind.


Das Gehirn interpretiert also die Signale und bastelt daraus ein plausibles Bild, auf dessen Basis es Enstcheidungen treffen kann.


Dieser Prozess ist Teils mit Fehlern behaftet (Hang zu falsch-positiven Ergebnissen) und stark kontextabhängig: Das selbe Signal bedeutet in einem Kontext oft etwas ganz anderes als in einem anderen.


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Hören ist also ein individueller Lernprozess, in dem das Gehirn lernt, was Wahrnehmungen in welchem Kontext bedeuten und welche Details herausgefiltert werden können.
Das Gehör/Gehirn kann sich in der kurzen Zeit, in der es elektroakustische Wiedergabe gibt, nicht angepasst haben.

Unsere Hirne (jedes einzelne) haben gelernt, wie sie mit den akustischen Signalen aus der elektroakustischen Wiedergabe umgehen sollen.

Und da gibt es Details, die entweder für das Hirn irrelevant sind, und andere, die herausgefiltert werden, weil sie Widersprüche zu Interpretationen sind, zu denen es mehr bestätigende Details gibt.

Und das ist bei jedem ein bisserl anders.

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Es gibt Funktionsstörungen im Hirn, bei denen diese Filter ausgeschaltet sind.
Wenn man davon liest, kann man froh sein, dass man eben NICHT alles objektiv hört, was vor sich geht.


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Ich denke, genau wegen diesen vielen Mechanismen der Filterung und Interpretation ist es wichtig zu verstehen, wie das Hören funktioniert.
  • Der physikalische Anteil: Wie kommt der Schall in Ohr, wie wird er bis dahin verändert, (HRTFs, IID, ITDs etc.)?
  • Der physiologische Anteil: Wie werden die Schallmuster in welche Nervensignale umgewandelt, wie werden diese weiter verarbeitet?
  • Der psychologische Anteil: Wie werden diese Informationen interpretiert und zu einer bewussten Wahrnehmung geformt?

Und da gibt es immer weniger richtig/falsch oder gut/schlecht.


LG
Babak
__________________
Grüße


Babak

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"Alles was wir hören ist eine Meinung, nicht ein Faktum.

Alles was wir sehen ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit!"


Marcus Aurelius

Geändert von Babak (17.03.2013 um 13:28 Uhr).
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