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Alt 02.07.2016, 11:43   #8
dipol-audio
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Standard AW: Pauschalierungen von Zusammenhängen aus Höreindruck und techn. Eigenschaften

Hallo Dezibel,


ich denke nicht, daß Raumanteil an sich den Effekt allzu stark "fördert", speziell bei den Deckenreflexionen könnte es jedoch so sein (*), bei manchen Setups in best. Räumen hatte ich diesen Eindruck.

Die Abhängigkeit vom Stimulus selbst scheint mir - neben dem Winkel des Stereodreiecks - recht entscheidend zu sein.

In meinem Setup verspüre ich ebenfalls keinerlei "Beeinträchtigung" durch Elevation mittiger Phantomschallquellen und habe breitbandig relativ stark richtende LS in einer "gepflegten Durchschnitts Nachallzeit" für die Raumgröße.

Ich habe einige Aufnahmen mit für mich "besonders glaubhaften" mittigen Phantomschallquellen - darunter Chor und Solostimmen - wo für mich vom Erhebungswinkel kein Unterschied zw. mittigen und seitlicheren Phantomen zu bemerken ist.

Die o.g. Untersuchung legt m.E. jedoch nahe, daß das z.B. bei Sprache und Gesang ohnehin nicht so ungewöhnlich wäre.


"Gefährlicher" stelle ich mir diesbezüglich (Mittel-/) Hochtonsysteme vor, die

- wenig vertikale Richtwirkung bis in den oberen Khz Bereich hätten und

möglicherweise zugleich noch

- deutlich über Ohrhöhe montiert wären

wenn dann gleichzeitig noch

- die Zimmerdecke eben und schallhart ist,

(alles mögliche "Ko-Faktoren" ...)

könnte das Setup bezüglich Elevation m.E. "instabiler" werden.


Auch aus dieser Sicht spräche einiges dafür, ein mit der Frequenz vom Mittelton bis in den Hochton zunehmendes Bündelungsmaß (eine "sanfte" Zunahme wird in den meisten Räumen ohnehin benötigt) vorwiegend auch über eine Einengung der vertikalen Abstrahlung zu erreichen.

Ansonsten kann man Maßnahmen zur Diffusierung bzw. auch Teilabsortion der Deckenreflexionen ins Auge fassen.

Für mich sind "akustische Zentren" von (Mittel-/) Hochtonsystemen auf oder leicht unterhalb Ohrhöhe auf jeden Fall besser aufgehoben als deutlich darüber ...

Bezüglich des "Elevationsrisikos" - auch bei mittigen Phantomen - habe ich diesbezüglich jedoch keine harten Beweise, nur Hörerfahrung in versch. Setups und Literaturdaten aus Untersuchungen wie oben ...

Auffälligkeiten wie Anhebungen / Maxima der LS im oberen Hochton (Direktschall, Freifeldfrequenzgang) können sich hier auf jeden Fall "riskant" auswirken (> vgl. Blauert'sches "oben" Band um 8Khz).

___________

Gegen bestimmte Defizite der Stereofonie, die zum Teil auch für die Elevation mittiger Phantomschallquellen verantwortlich sind (der o.g. genannte Artikel nennt einige wahrscheinliche Ursachen im Schlussteil), ist "so ohne weiteres" kein Kraut gewachsen:

Man kann bei Lautsprecherkonstruktionen und Setups im Raum m.E. jedoch (sehr) viel dafür tun, die prinzipiellen Schwächen (der Stereofonie) nicht noch "zu betonen", das reicht oft schon für eine "glaubhafte Illusion" bei Stereofonie...

Ich habe in den letzen Wochen (mit nur "einem Auge") eine Diskussion in DiyAudio.com über einen Artikel zur "Reparatur" bzw. "Verbesserung" mittiger Phantomschallquellen bei Stereofonie verfolgt, evt. verlinke ich das hier später auch mal.

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(*) Dominante Deckenreflexionen könnten "insgesamt" (räumlich vertikal) anhebend wirken, nicht nur auf mittige Phantomschallquellen. Aber wer weiß, vielleicht wirkt es auf diese auch noch deutlicher (gerade bei Stimuli, die tendenziell schon "nach oben ausbüchsen" wollen ...), das habe ich noch nicht systematisch ausprobiert und kenne auch keine Untersuchungen dazu.
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Grüße aus Reinheim, Oliver Mertineit

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Geändert von dipol-audio (02.07.2016 um 12:27 Uhr).
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