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Alt 01.04.2013, 12:48   #170
Babak
gestört verar*** verlogen
 
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Babak ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
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Hallo


na genau da treffen wir uns doch ...


Ja, das Beispiel mit den vertümmelten Wörtern ist gut.
Das gibt es auch auf auditiver Ebene.
Dazu würde ich auch mal etwas posten, wo das erklärt wird und wo das jeder anhand von Hörbeispielen selber durchspielen kann.

Und genauso wie diesen Effekt gibt es auch andere Eigenheiten und Mechanismen des Gehörs.

Diese Mechanismen spielen auch bei der elektroakusischen Wiedergabe eine Rolle spielen, vor allem wenn es um die Themen Direktschall und Raumschall geht.



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Wer glaubt, dass das Gehör ein vollständiges und objektives Bild der akustischen Umgebung bzw. des Schallfelds abgibt, hat sich geirrt.

Das Gehör ist auf Mustererkennung programiert.
Diese wird für verschiedene Zwecke eingesetzt, z.B.
  • Erkennen von Schallquellen und Objekten
  • Ermittlung der räumlichen Anordnung dieser Schallquellen
  • Identifizeren irrelevanter Hintergrundgerläusche
  • Herausfiltern der Hintergrundgeräusche
  • Erkennen von Eigenschaften des Umfelds, in dem man sich befindet (inkl. Raum)
  • Herausfiltern der Enflüsse des Raums, damit das Objekt, die Schallquelle, wieder deutlich identifiziert werden kann
All diese Mechanismen haben das Ziel, die wichtigen Objekte/Schallquellen im Umfeld klar wahrzunehmen und deren Informationsstrom möglichst sauber wahrzunehmen (Wörter, Sätze).

Wie gut ist also das menschliche Gehör?

Das Gehör ist sehr schlecht, wenn es um eine objektive Wahrnehmung des gesamten Schallfelds um uns herum geht.

Es ist sehr gut darin, Informationsmuster aus diesem Schallfeld zu extrahieren und zu einem sinnvollen Informationsstrom zu formen, aus dem man erfassen kann, was sich im Umfeld tut.



Für die Natur ist eine korrekte objektive Darstellung der Umgebung sinnlos.
Das Individuum muss es schaffen, sinnvolle Informationen aus den Signalen der Umgebung zu erhalten.

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Wo spielt das nun in HiFi hinein?

Man bekommt bei der Wiedergabe über LS sicher nicht das selbe Schallfeld hin wie bei einem Live-Ereignis.

Man kann aber die Mechanismen des Gehörs so unterstützen, dass am Ende der Signalverarbeitung ein ähnliches Ergebnis entsteht.



Was passiert akustisch gesehen in einem Hörraum?
  • Die LS geben Direktschall ab.
  • Die LS stehen in einem Raum mit Begrenzungsflächen, die den Schall reflektieren, selektiv abschwächen etc. und somit ein Schallfeld des Raumschalls erzeugen.
  • Am Ohr liegt ein Gemisch aus Schallmustern des Direktschalls und des Raumschalls gleichzeitig an.

Das Gehör hat - wie erwähnt - mehrere Mechanismen, mit denen es das bewerkstelligt.
Ohne die könnten wir uns in Gegenwart von Umgebungsgeräuschen weder orientieren noch unterhalten.

Diese Mechanismen funktionieren grob gesagt nach dem Prinzip:
  • Schallmuster erkennen und in Objekte zusammenfassen
  • Wenn diese Schallmuster relevant ist: lokalisieren, charakterisieren, Fehlerkorrektur, Extraktion von Informationen
  • Wenn diese Schallmuster irrelevant sind (störende Hintergrundgeräusche, Raumeinflüsse): herausfiltern.

Diese Mechanismen können durch das Schallfeld im Raum (und somit durch die Raumakustik) entweder gestört oder unterstützt werden.


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Das beantwortet auch (auf grober Ebene) Herby's Frage:
Ja, mit geeigneten Maßnahmen lassen sich störende Einflüsse des Raums eliminieren.
Besser ausgedrückt: mit geeigneten Maßnahmen kann man das Gehör dabei unterstützen, Einflüsse des Hörraums effektiv herauszufiltern.

(Und nein, da soll niemand hinters Licht geführt werden.)


Aus genau diesen Gründen ist es aus meiner Sicht wichtig, diese Mechanismen des Gehörs zu kennen.
Denn dann kann man Maßnahmen effektiv einsetzen statt blind nach einer Vorgabe/Norm zu arbeiten.


LG
Babak
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“The problem with today’s world is that everyone believes they have the right to express their opinion AND have others listen to it.

The correct statement of individual rights is that everyone has the right to an opinion, but crucially, that opinion can be roundly ignored and even made fun of, particularly if it is demonstrably nonsense!”


— Brian Cox, musician, physicist, and freethinker

Geändert von Babak (01.04.2013 um 12:59 Uhr). Grund: Für die ganz Genauen wurden ein paar othographische Ostereier versteckt - viel Spaß bei der Suche.
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