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Alt 27.10.2016, 21:45   #57
ursus
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ursus befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard AW: Das Problem der Reproduktion (1)

Zitat:
Zitat von Holger Kaletha
Deine "technische" Definition besagt, dass Neutralität auf "identischer Reproduktion" beruht, also Anlagen streng genommen nur dann als "neutral klingend" bewertet werden können und dürfen, wenn sie praktisch alle exakt gleich klingen. Dieser Fall, dass eine Anlage wirklich genau gleich klingt wie eine andere, kommt allerdings in der Hörpraxis - das ist nun wirklich ein Faktum - definitiv niemals vor.
Natürlich nicht, weil Lautsprecher und Raumakustik stets unterschiedlich bleiben. Deshalb klingt eine Anlage nie gleich wie eine andere. Aber Du missverstehst mich: Ich sagte, dass Neutralität nichts vermissen lässt, und nicht, dass Neutralität ein technizistisches Zahlenvergöttern sei, um es mal mit Deinem Wortschatz auszudrücken.

Zitat:
Zitat von Holger Kaletha
Meine Meinung ist ganz klar: Für die Bewertung der "Neutralität" der Wiedergabe ist die technische Seite irrelevant. Bei den in Frage stehenden Geräten werden die Bedingungen einer technisch "korrekten" Wiedergabe ohnehin erfüllt. Der Fehler besteht eben darin, das Technische zum Maßstab für das Hören zu machen, also zu behaupten, eine neutrale Anlage dürfe keinen Eigenklang haben.
Gewiss, Technik dient dem Menschen und deshalb ist unter Messwerten und Daten das zu verstehen, was zu Neutralität führt oder sie zumindest beibehält. Angenommen, gewisse Parameter wären nicht definiert, weil sie nicht bekannt sind und folglich im Datenblatt fehlen würden, dann wäre es nicht dem Verschulden der Technik, sondern dem Fehlen dieser relevanten Daten auf dem Datenblatt, welches trotz der übrigen makellosen Zahlen nicht zu einem zufriedenstellenden Klang führen könnte, zuzuschreiben.

Ist hingegen das Datenblatt komplett, dann hast Du sonst was übersehen. Ich bin mit meiner Anlage soweit zufrieden und glaube oder bilde mir zumindest ein, dass sie relativ neutral spielt, weil sie durch Sounding bestehende Wiedergabefehler kompensiert und Neutralität bietet. Allerdings lebe ich nicht in einer fernen Zukunft, wo mittlerweile neue Bezugsgrössen entdeckt worden sind, die nun das Datenblatt zusätzlich ausfüllen ...

Zitat:
Zitat von Holger Kaletha
Das ist für mich dann der Kritikpunkt, wo ich sage: das ist nicht mehr "neutral". Der Unterschied zwischen meiner Auffassung und der der meisten Leute hier besteht darin, dass für Euch in diesem Fall so eine Naim-Elektronik per se nicht "neutral" klingt, weil sie überhaupt einen Eigenklang hat.
Eigenklang ist das Entfernen von Neutralität.

Zitat:
Zitat von Holger Kaletha
Für mich dagegen schließen sich Eigenklang und Neutralität im Prinzip nicht aus, weil ich Neutralität als eine Eigenschaft der Wiedergabe betrachte, die letztlich nicht an der technischen Reproduktion zu messen ist.
Sie müssen sich nicht ausschliessen, wenn sie sich dahingehend ergänzen können, dass danach – also im Zusammenwirken – wieder Neutralität hergestellt ist. Das ist doch der Sinn jedes Soundens.

Gruss Urs
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