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Alt 06.06.2007, 23:43   #50
Dr. Holger Kaletha
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Das >Gorilla<-Phänomen läßt sich sehr einleuchtend mit der Theorie des Bewußtseinsfeldes erklären (nach Aron Gurwitsch). Es gibt einmal das >Thema<, mit dem wir uns gerade beschäftigen, z.B. das Kartenspielen. Zu diesem Thema gehört ein Umfeld von Gegenständen, das mit ihm wahrgenommen wird, das >thematische Feld<. Es ist dadurch gekennzeichnet, das es in einer Relevanzbeziehung zum Thema steht (die >Bedeutungsrelevanz< nach Gurwitsch). Zum themartischen Feld gehört z.B. beim Kartenspielen der Tisch, auf den ich die Karten lege, die Lampe, die diesen Tisch beleuchtet.

Von diesem thematischen Feld unterschieden ist das von Gruwitsch so genannte >Randbewußtsein<. Das sind die umgebenden Gegenstände, die in keiner Relevanzbeziehung mit dem Thema stehen. Wenn z.B. das Licht ausfällt oder der Tisch wackelt, dann nimmt das der Kartenspieler wahr. Nicht aber den Gorilla, der nur >Rand< ist, keine Bedeutungsrelevanz für das Kartenspielen hat, er wird nicht >thematisch< erfaßt und infolge dessen übersehen.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, daß unsere Wahrnehmung nicht einfach eine Art Registrationsapparat darstellt, sondern >intentional< ist, das, was für uns wichtig, bedeutsam ist, bestimmt unsere Wahrnehmungsfähigkeit mit! Deshalb auch die begrenzte Aussagefähigkeit von Tests! Das der eine eventuell etwas hört, was der andere nicht hört, heißt nicht einfach: es gibt etwas oder gibt etwas nicht, ein Phänomen ist da oder nicht da, sondern: für den einen ist etwas relevant, für den anderen nicht: ein Fall von selektiver Wahrnehmung aufgrund eines unterschiedlichen Wahrnehmungsinteresses!

Gruß Holger
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