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Alt 13.03.2015, 14:35   #68
dipol-audio
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Standard Breitband-Biegewellen-Lautsprecher

Hallo Joachim,

ich kann hier nicht ins Detail gehen, aber ich versuche einige nachvollziehbare Antworten zu dem von mir entwickelten Breitband-Lautsprecher zu geben:

Zitat:
Zitat von JoachimA
Ist das jetzt eine Schallwand in dem Sinne, oder ist die Membran für die Tieftonwiedergabe akustisch nach hinten durch das Gehäuse abgeschlossen? - Das ist mir nicht ganz klar.
Es gibt kein Gehäuse. Nur die Seitenwangen des Rahmens und ein paar weitere Komponenten bilden "stehende" Teile. Das System ist im Tiefton funktional äquivalent zu einem Dipol-Flächenstrahler. Da der unverzerrte Membranhub recht groß ist, kann es im Bass etwa einen üblichen Fullrange ESL-ersetzen, der dann z.B. über 2qm Membranfläche haben müsste.

Die Membranfläche erzeugt jedoch durch die ca. 0,5 qm Größe das, was man einen "Self-Baffling Effect" nennt, sie ist also z.T. "ihre eigene Schallwand".

Die Rahmenkonstruktion erweitert jedoch die Dipol-Pfadlänge noch zusätzlich und besonders die "Schürze" des Rahmens (in Bodennähe hinten unten) verbessert die Abstrahlung im Bassbereich noch weiter. Man könnte dies andeutungsweise als "U-Frame" in Bodennähe sehen.


Zitat:
Zitat von JoachimA
Dann noch, ist das eine steife Membran die bewegt wird oder, irgendwo muss der Name Biegewellen ja herkommen, wie funktiniert das Prinzip? - Das ist mir auch nciht so ganz klar.
Ohne darüber ein Buch zu schreiben:

Die Membran besteht aus 4 Segmenten, die eine tiefe und gut bedämpfte Eigenfrequenz haben und biegsam sind ...

Der Lautsprecher "weiß" also gar nicht, wie eine kolbenförmige Membranbewegung überhaupt aussieht ... und das soll er auch nicht wissen ;).

Durch die tiefen und dicht beieinanderliegenden Eigenmoden ist im genutzten Hörfrequenzbereich die sog. "modale Überlappung" bereits so hoch, daß ein sehr glatter Schalldruckfrequenzgang - selbst bei ungeglätteter Messung - entsteht, und der "theoretisch resonante" Charakter der Membran auf dieser Ebene erst gar nicht in Erscheinung tritt (*).

Bereits unterhalb 2 Khz wird der "reine Dipol Modus" ganz allmählich verlassen und es entsteht eine Kombination aus kohärenter Abstrahlung auf der Hauptachse und einer "phasendekorrelierten" Abstrahlung außerhalb der Achse.

Bündelungsmaß und Energiefrequenzgang bleiben dabei in etwa auf dem Niveau des Dipols. Speziell das Bündelungsmaß steigt zu hohen Frequenzen nur ganz allmählich an.

Die Bewegungen der einzelnen Membransegmente kann man sich wie Saiten- bzw. Torsionsschwingungen vorstellen. Die Membransegmente sind an den Rändern und untereinander dämpfend aufgehängt, so daß wenig Reflexion der Schwingungsenergie erfolgt.

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(*) Ich sage halb scherzhaft dazu: Eine Kolbenmembran, hat bei tiefen Frequenzen den Bereich ihrer Partialschwingungen noch vor sich. Mein System hat die Probleme durch Partialschwingungen im Hörfrequenzbereich bereits hinter sich, weil die modale Überlappung durch die Konstruktion extrem hoch ist. Selbst das "Soundboard" der größten Konzertflügel hätte eine unvergleichlich geringere modale Überlappung im Tiefton ...
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Grüße aus Reinheim, Oliver Mertineit

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Geändert von dipol-audio (13.03.2015 um 15:31 Uhr).
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