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Dr. Holger Kaletha 09.10.2010 18:49

Das endgültige Ende der Langspielplatte?
 
Am Kiosk habe ich den sehr informativen Artikel in der aktuellen "Stereo" gelesen über die Zukunft der LP. Es werden keine Schneidköpfe mehr hergestellt und die Experten, welche die alten reparieren und Bauteile auswechseln könnten (die Firmen verwenden z.T. solche Baujahr 1970!) sind faktisch ausgestorben. Da diese Technik einen sehr hohen Verschleißfaktor hat, gibt man der LP noch maximal 10 Jahre bis zum endgültigen Ableben. Und weil diese Technologie obendrein sehr teuer ist und der Umsatz nur 1% beträgt, werden Neuentwicklungen nicht erwartet.

Das finde ich doch sehr schade - obwohl ich selbst keinen Plattenspieler mehr besitze!

Beste Grüße
Holger

Beste

Reno Barth 09.10.2010 19:33

ich glaub das so nicht. Im Prinzip kann jeder, der einen Tonabnehmer machen kann, auch einen Schneidkopf bauen. Ist nur eine Frage des Budgets und solange die gebrauchten billiger sind, zahlt sich das halt nicht aus. Jedenfalls hat Mobile Fidelity gerade gemeinsam mit Tim deParavicini einen eigenen Schneidkopf entwickelt und gebaut (ich weiß allerdings nicht, ob da alte Teile umgebaut wurden). Und für ein Prozent vom Tonträgerumsatz zahlt sich die Arbeit schon noch aus...

lg
reno

debonoo 10.10.2010 08:20

Hallo..:Z

da wird man, irgendwann einmal..

sehr viele, z.T. sehr teure Plattenspieler entsorgen müssen....:U

damit, wäre eine Ära - wirklich - zu Ende...

mfG.:E
Andreas

PS: Die Auguren - haben sich schon oft geirrt..

Dinge - bloß - linear hochzurechnen, ist eine verlässliche Methode - sich gründlich zu irren....;K

Markus Berzborn 10.10.2010 10:56

Es ist im Wesentlichen so, wie Reno sagt.
Die Technologie ist bekannt. Es gibt sicher komplexere Sachen, die ein Werkzeugmacher nachbauen kann als einen Schneidekopf. Aber diese Neumann-Teile sind sehr haltbar. Solange es davon noch genug gibt und sie funktionieren, wird sich die Produktion neuer Schneideköpfe nicht rentieren.
Es sei denn, jemand will ohne Rücksicht auf Kosten etwas ganz Besonderes machen, wie im genannten Beispiel MFSL.

Gruß,
Markus

Dr. Holger Kaletha 10.10.2010 10:59

Gibt es den Artikel auch zum Runterladen im Internet? Da werden jedenfalls Namen genannt - der Autor scheint sehr sorgfältig recherchiert zu haben. Es lohnt auf jeden Fall, ihn zu lesen!

Beste Grüße
Holger

OpenEnd 10.10.2010 18:03

Man muß sich halt auch vor Augen führen, dass im Zeitalter von 96kHz/24bit, bzw. 192kHz/24bit die Notwendigkeit von analoger LP-Wiedergabe zunehmend bedeutungslos wird.

Allerdings hoffe ich, dass wir unsere 5000 LPs noch lange abspielen können.

Bevor jetzt wieder jemand sofort Einspruch einlegt, empfehle ich, mal gut gemachte hochauflösende Digitalaufnahmen anzuhören und erst dann loszuwettern, wenn bis dahin nicht das "loswettern" im Halse stecken bleibt und man vielleicht feststellt, dass hochauflösende Digitalformate selbst Analog-LP noch toppen.

Grüßle vom Charly

Babak 10.10.2010 18:23

Hallo

Vinyl abspielen oder nicht abspielen ist in erster Linie NICHT eine Angelegenheit der Klangqualität.

LG

Babak

Markus Berzborn 10.10.2010 19:21

Bei den AAA-Veranstaltungen hat es schon öfters Präsentationen mit Vergleichen Band, LP, CD, SACD, digital hochauflösend gegeben.

Gruß,
Markus

Höhlenmaler 10.10.2010 19:51

Bedeutungslos ist die Wiedergabe doch nur dann, wenn ich keine Schallplatten mehr hören kann, weil kein Plattenspieler verfügbar wäre. Solange ich immer wieder alte Schallplatten bekomme, gut erhalten und ab und zu nur mal ne' neue, ist mir das schnuppe. Vier Plattenspieler werden wohl kaum alle auf einmal das zeitliche segnen.

Eben höre ich keine Platte, sondern per Zufallswiedergabe wiedergegebene Musik vom Laptop. Das ist 'ne Mischung aus überwiegend *.mp3 ein wenig *.flac ein paar *.wav und sogar *.ogg wird auch darunter sein. Über die Wiedergabequalität mache ich mir dabei keine Gedanken, die Musik gefällt mir und so wie sich die Musik dabei über meine Anlage anhört, kann ich sehr zufrieden sein. Als Soundkarte wird der Map1 vom System erkannt. Bit und Kiloherz passen. Daß man sich damit umtreiben lassen kann, es nicht nur dabei zu belassen Musik zu hören, kann ich dauernd mitverfolgen.

Höhere Auflösung ist in meinen Augen k e i n Zeichen höherer Qualität, wenn man dabei vor allem die musikalische Seite ins Ohr fasst. Fasst man die Wiedergabe hinsichtlich besonders audiophiler Aufnahmen ins Ohr, kann das wohl so sein. Ich habe keine einzige der in HiFi Zeitschriften beiliegenden CDs aus den vergangenen Jahren, die mir in musikalischer Hinsicht positiv aufgefallen wäre. Klanglich schon, das stimmt, musikalisch aber überwiegend langweilig. Normale CDs, da gibts oder gabs auch immer wieder mal ganz besonders gut klingende Sachen, wenn mir aber die Musik nicht gefällt, nutzt die höhere Auflösung gar nix.

Eine Zeitlang war ich in keinem Museum, dort höre ich mir keine Musik an sondern betrachte die Bilder. Wenn ich mir nun vorstelle, daß irgendein Meister heute mit immer spitzerem Pinsel und Lupe detailreicher malt, dann wäre das auch kein Gruind n u r deswegen dieser Art Malerei den Vorzug zu geben. Es gibt dazu sogar Beispiele aus dem 17ten Jahrhundert, wo ein Kölner Maler sehr detailierte Bilder eines Holländers, der in Paris gelebt hat, ein Maler des reflektierten Lichts auf Glas und Metal, er malte nur Innenansichten, farbiges Glas, Pokale, Geschirr Lichtreflexe auf einer Rüstung usw usw - das machte er so gut, daß ihn dieser Kölner Maler kopierte. Die vergleichende Ausstellung war in Aachen.
Der Witz ist, der Kölner Maler malte alles überexakt und genau, seine Kopien schienen dem Original in Sachen Präzision einen draufsetzen zu wollen. Was er nicht schaffte, bei all seinem Können dem Vorbild gerecht zu werden war, dem Ganzen Leben einzuhauchen. Zwar präzise und perfekt gemalt, künstlerisch nur dann bedeutend, wenn im Verweis auf die Malerei des 17ten Jahrhunderts und einen dieser originären Zeitgenosse sichtbar werden kann, w i e die künstlerischen Mittel im Original und der kurze Zeit später angefertigten Kopie bewertet werden können.

So empfinde ich das auch mit den Versuchen in der Gegenwart Musikaufzeichnungen in höherer Präzision wiedergeben zu wollen. Wenn da zuvor kein guter Musiker etwas erschaffen hat, dann bringt das Abbild in höchster Auflösung nicht mehr wie ein hochauflösender Druck eines Rembrandt. Schön anzuschauen ist das sicher. Gut anzuhören. So wie damals, als Ping-Pong Stereo neu war. Da ist dieser Effekt des vermeintlich richtigeren auch in allen Ohren als das Bessere betrachtet worden. Ob die Musik immer besser war, bleibt wohl ungeklärt, auch weil Geschmackssache.

Wenn die analogen Tonbandaufzeichnungen aus der Vergangenheit verfügbar geblieben sind, dann mag es so sein, daß Kopien in hoher Auflösung das entsprechend wiedergeben und der durchschnittliche Schallplatten und CD Hörer das Nachsehen hat, der mit höher auflösender Hardware den Mehrwert geniessen könnte. Wenn er denn im Wettlauf dem vermeintlich besten sicher sein zu können, denn noch kann.





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Dr. Holger Kaletha 10.10.2010 22:45

Zitat:

Zitat von Höhlenmaler (Beitrag 189507)
Höhere Auflösung ist in meinen Augen k e i n Zeichen höherer Qualität, wenn man dabei vor allem die musikalische Seite ins Ohr fasst. Fasst man die Wiedergabe hinsichtlich besonders audiophiler Aufnahmen ins Ohr, kann das wohl so sein. Ich habe keine einzige der in HiFi Zeitschriften beiliegenden CDs aus den vergangenen Jahren, die mir in musikalischer Hinsicht positiv aufgefallen wäre. Klanglich schon, das stimmt, musikalisch aber überwiegend langweilig. Normale CDs, da gibts oder gabs auch immer wieder mal ganz besonders gut klingende Sachen, wenn mir aber die Musik nicht gefällt, nutzt die höhere Auflösung gar nix.

Hallo Ingo,

was Du über die Malerei schreibst ist wirklich sehr schön - das habe ich gerne gelesen, ich male ja schließlich auch und liebe Museumsbesuche... :M

Auch gebe ich Dir recht: Mich interessiert in erster Linie die Musik und die Interpretation. Wenn die Aufnahmetechnik gut ist - um so besser. Aber ich würde nie eine Aufnahme nur wegen der Technik kaufen. Wenn es Furtwängler nur in Mono und mit viel Rauschen gibt, dann ist mir das egal: Ich möchte Furtwängler hören und nicht Hifi.

Aber ein bisschen hinkt auch Dein schöner Vergleich. Wir reden hier über Musikkonserven, also Reproduktion. Bei der Kopie des Malers spielt auch eine Rolle, daß er die Maltechnik des Meisters nicht kennt. Bei Caravaggio z.B. kann man die Kopien und Fälschungen vom Original unterscheiden dadurch, daß sie dieses strahlende Weiß nicht hinbekommen. Das kann man aber erklären durch die Maltechnik. (Das hat die Düsseldorfer Ausstellung vor 2 Jahren demonstriert, die ich besucht habe.) Und weiter. Denke mal an die vielen photographischen Reproduktionen von Gemälden in diversen Bildbänden. Wenn Du einmal das Original gesehen hast, dann sagst Du: Die sind alle grauenvoll schlecht. Genau den Fall haben wir doch bei der CD oder LP. Ist da nicht gerade jedes Quäntchen Auflösung u. U. entscheidend, damit sie uns dem Original näher bringt? Daß wir nicht immer konzentriert Musik hören und auf alle Details achten, steht natürlich auf einem anderen Blatt!

Beste Grüße
Holger

Selfmade-Man 31.10.2010 18:44

Ich glaube die Schallplatte wird uns noch lange erhalten bleiben. Schau doch nur mal auf den Flohmärkten wieviele Schellackplatten und Grammophone zu haben sind. Sogar Ersatznadeln gibt es noch haufenweise obwohl die längst nicht mehr hergestellt werden.

Totgesagte leben länger und darum denke ich, dass wir uns noch weitere 50 Jahre mit LPs vergnügen können. Vielleicht werden keinen Neuen mehr produziert aber der Vorrat an Vorhandenen ist immens.

Markus Berzborn 31.10.2010 18:56

Doch, klar werden noch neue Grammophonnadeln hergestellt. Ist zwar ein sehr überschaubarer Markt, aber andererseits auch kein großer Produktionsaufwand, ist ja alles reine Mechanik.

Gruß,
Markus

Leo1 28.07.2015 03:01

AW: Das endgültige Ende der Langspielplatte?
 
Hänge das mal an diesen Thread an, wenn erlaubt.

http://www.schweizamsonntag.ch/resso...t_sich_wieder/

Punktstrahler 28.07.2015 08:32

AW: Das endgültige Ende der Langspielplatte?
 
Es ist ein schwelgen in Nostalgie. Natürlich wird es noch einige wenige geben, die das benutzen. Nostalgie hin oder her, die Zukunft ist das nicht und daran arbeiten wir alle kräftig mit, d.h. wir machen mit. Ein neuer PC usw. usw., wer hat/benutzt denn noch eine herkömmliche Anlage (Hifi-Altar) wie man ihn vor 30/40 Jahren hatte? Das ist langsam am aussterben - steter Tropfen höhlt den Stein, auch beim Hifi.

Wer benutzt heute noch einen Cassettenrecorder?
Wer benutzt heute noch VHS-Video?
Wer benutzt heute noch ein Tonbandgerät?

Einzelne wird es immer geben, die Zukunft aber, die sieht anders aus und das soll jetzt kein Plädoyer für die allseligmachende Zukunft sein, die bringt sicher noch viel neumodischeren Mist hervor.

Grüße vom Punktstrahler

Dezibel 28.07.2015 08:49

AW: Das endgültige Ende der Langspielplatte?
 
Es geht noch besser ...
http://www.schellack-plattenshop.net/
... wobei - hier gibt es keine Neuerscheinungen ;) ...
Ich habe noch ein sehr schönes Koffer-Grammophon und einen stattlichen Stapel Schellacks.

LG, dB


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